Durch das Smalands - Fahrwasser nach Mönsklint



Familientörn vom 5.8.2002 bis zum 20.8.2002

Durchgeführt von Angelika, Henrik und Karl Müller


   Die Sommerferien 2002 begannen regnerisch und so diskutierten meine Frau, mein jüngster Sohn und ich lange, ob wir einen Ostsee- oder einen Mittelmeertörn machen sollten. Wir sind mit unserem Boot schon zwei mal am Mittelmeer gewesen und hatten trotz der Aussicht auf Sonne pur nicht schon wieder Lust auf tagelanges Autobahnfahren. Als das Internet für die Ostsee eine mehrtägige Schönwetterperiode voraussagte, war unsere Entscheidung gefallen. Von Neustadt aus sollte es zu den Kreideklippen von Mön gehen und, unter günstigen Wetterbedingungen, vielleicht weiter nach Bornholm.   
  
Unsere Route
Die Anreise am Montag gestaltet sich zunächst trocken, doch 20 Kilometer vor Neustadt setzt Regen ein, beim Kranen zucken die ersten Blitze und kaum haben wir festgemacht, regnete es in Strömen. In einer kurzen Regenpause können wir gerade noch den Masten stellen und die Regenpersenning über das Cockpit ziehen, dann zwingt uns der Regen zurück ins Schiff. Hier stellt sich heraus, dass unsere Vorschiffsluke inzwischen undicht geworden ist und damit auch nicht gerade zur Verbesserung der Wohnqualität unserer Allegro beiträgt. Es kann also nur noch besser werden.
Dienstag scheint die Sonne, der Wetterbericht sagt Wind der Stärke 4 aus Nordost vorher. Burg auf Fehmarn soll das Tagesziel sein und daher ist zunächst einmal Aufkreuzen angesagt. Leider hält sich der Wind zunächst vornehm zurück und so ist es bereits Nachmittag, als wir auf der Höhe von Dahme Fehmarn direkt anliegen können. Der Wind holt jetzt nach, was er am Vormittag versäumt hat, so dass wir zwar ordentlich durchgeschüttelt werden, aber doch noch am frühen Abend in Burgtiefe festmachen können. Mit einem guten Abendessen in der Tonne 21 beschließen wir unseren ersten Segeltag.
Wir wollen nicht nur segeln sondern auch etwas von Land und Leuten sehen. Darum fahren wir am Mittwoch mit dem Bus ins 5 Kilometer entfernte Burg. Dort ist laut Werbung Europas größtes Haiaquarium. Trotz des schönen Wetters haben viele Leute genau die selbe Idee und so werden wir in stickiger Luft von einem Becken zum anderen geschoben, ein Vergnügen ist das nicht. Burg selbst ist ein schönes Städtchen. Bei einem Eis unter Bäumen stellt sich fast südliches Urlaubsflair ein. Zurück gehen wir zu Fuß, entlang des idyllisch gelegenen Binnensees. Am Abend tagte der Familienrat. Da der Wind weiter aus Nordosten wehen soll, beschließen wir, Bornholm von unserer Zielliste zu streichen und stattdessen durch das Smalandsfahrwasser nach Mön zu segeln.
Daher segeln wir am Donnerstag bei achterlichem Wind zunächst an der Küste von Fehmarn entlang. Natürlich wissen wir, dass das Schiff unter der Fehmarn - Sund - Brücke durchpasst aber die Perspektive täuscht das Auge doch mächtig. Danach nehmen wir Kurs auf die Südwestküste von Lolland, bei halbem Wind der Stärke 4 Seesegeln vom feinsten. Unterwegs begegnen uns etliche Angelkutter, die im Langelandbelt auf Dorsch gefischt haben. Gegen 18 Uhr erreichten wir die Ansteuerung des Nakskov - Fjordes, durch dessen Flachwasser ein gewundenes Fahrwasser führt. Nach einigen Meilen zweigt hier das Fahrwasser nach Langö ab, unserem Tagesziel. Obwohl wir genau im Fahrwasser fahren, zeigte das Echolot mehrmals Wassertiefen von nur 1,3 Metern an. Der gegen Abend zunehmende Wind hat den Wasserstand im Fjord drastisch abgesenkt, für die Shark aber kein Problem.
  
  
Wie verlassen Langö
Langö selbst bietet keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten und so geht es am Freitag weiter nach Kragenaes. Leider lässt der Wind an diesem Tag zu wünschen übrig, so dass wir die meiste Zeit motoren müssen. Zum Ausgleich dafür gib es unterwegs einiges zu beobachten. Zunächst kreuzen zwei Schweinswale unseren Weg, ein seltenes Ereignis, da die Tiere vom Aussterben bedroht sind. Später sehen wir eine Offshore - Windkraftanlage. Solche Anlagen sind auch in Deutschland geplant, in ihrer Auswirkung auf die Tierwelt aber äußerst umstritten. Zum Schluss passieren wir noch die riesigen Netzkäfige einer Fischfarm, wo der Farmer gerade mit einer Wasserkanone Futter oder Medikamente in die Käfige spritzt. Auch ich esse gerne Lach aber wenn man sieht, wie er produziert wird, macht einen das schon nachdenklich.
  
  
"Safari" im Knutenborgpark
Einige Meilen östlich von Kragenaes liegt Bandholm. Dort ist Europas größter Safaripark und den wollten wir besuchen. Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass nur ein schmales Fahrwasser dorthin führt. Bei der derzeitigen Wetterlage vermutlich eine Motorfahrt und dazu fehlte uns die Lust. Also geht es am Samstag mit dem Bus nach Bandholm. Am Parkeingang mieten wir uns Fahrräder und können uns so in dem wirklich riesigen Gelände bequem bewegen. Leider gibt es im Park keinen Bus, mit dem man z.B. das Tigergehege durchfahren kann aber der hautnahe Kontakt mit Kamelen oder Bisons ist schon einen Besuch wert.
Am nächsten Morgen herrschte in Kragenaes auf den gestern noch leeren Booten rege Betriebsamkeit. Die einheimischen Segler rüsteten nämlich zum Sonntagstörn. Der muss zunächst jedoch ausfallen, denn wegen dichten Nebels kann man die 30 Meter entfernte Hafenausfahrt kaum noch erkennen. Als gegen 11 Uhr gelegentlich die Sonne zu erkennen ist, wagen sich die ersten einheimischen Segler aus dem Hafen und zwei Stunden später machen auch wir uns auf den Weg. Der soll uns zur 10 Seemeilen entfernten Insel Femö führen, die als eine der Perlen des Smaland - Fahrwassers gilt. Bei wenig Wind und Sonnenschein ein gemütlicher Nachmittagstörn.
Im Hafen von Femö herscht Sonntagsstimmung. Familien sitzen an Tischen und Bänken auf der Pier und trinken Kaffee, am direkt benachbarten Strand wird gebadet. Gegen Abend leert sich der Hafen und nur wenige Boote bleiben über Nacht. In der Nacht regnete es und der Wind dreht auf Nordwest, genau die richtige Richtung für die nächsten Tage.
Vordingborg auf Seeland ist unser nächstes Ziel. Als wir das Fahrwasser erreichen, das zwischen Seeland und Falster verläuft, hören wir unmittelbar hinter uns plötzlich ein Zischen, als wenn ein Laster seine Bremsen entlüftet. Als wir uns erschrocken umdrehen, sehen wir direkt neben unserem Boot in vielleicht einem Meter Wassertiefe eine gelbweiße, torpedoförmige Gestalt an uns vorbeirasen, die dann kurz vor unserem Bug unseren Kurs rechtwinklig kreuzt. Meiner Ansicht nach kann das nur einer jener Delfine gewesen sein, die auch in der Ostsee hin und wieder gesichtet werden.
Vordingborg ist ein nettes Städtchen mit einer Burgruine, von der der sogenannte Gänseturm noch steht und bestiegen werden kann. Erfreulicherweise gibt es auch einige Supermärkte. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Lebensmittelvorräte zu einigermaßen zivilen Preisen wieder aufzufrischen, denn in Dänemark sind die Lebenshaltungskosten hoch, wobei man beim Kaufmann in den kleinen Hafenorten mit einem weiteren Aufschlag rechnen muss.
  
  
Maßarbeit
Für den nächsten Tag ist Windstärke sechs angesagt, in Böen bis acht und genau die können wir dann auch über das Wasser rauschen sehen. Also lassen wir es langsam angehen und machen uns gegen Mittag bei achterlichem Wind auf den Weg nach Harbölle auf Mön. Nur unter Fock auch bei diesem Wind problemlos und schnell. Als wir die Brücke zwischen Seeland und Falster unterqueren, kommt uns ein Großsegler unter Maschine entgegen. Bei ihm ist die Unterquerung tatsächlich Zentimeterarbeit.
Der Hafen von Harbölle ist klein und eng, die Böen pfeifen nur so über die niedrige Mole. Natürlich sind nur noch Liegeplätze frei, auf denen der Wind quer steht. Ich laufe gegen den Wind an und lege Ruder. Kaum ist der Bug durch den Wind, schlägt das Boot quer. Also hektisch zurück, um nicht aufzubrummen. Ein neuer Anlauf, diesmal mit dem Heck gegen den Wind, dichter an der Pfahlreihe. Der Bug verschwindet im Windschatten des Nachbarschiffes, der Wind hilft das Heck zu drehen und schon sind wir in der Box. Ein Glück, denn inzwischen kuckt der ganze Hafen.
Am Mittwoch erreichen wir wieder die freie Ostsee, und segeln an der Küste von Mön entlang nach Klintholm. Sonne, halber Wind zwischen 4 und 5 Beaufort, was will man mehr?
  
   In Klintholm hat man vor etlichen Jahren ein neues Marinakonzept verwirklicht. Ein Hotelkomplex am Ufer. Damit den Hotelgästen Abwechselung geboten wird, direkt davor die Marina. Uns stört das und so legen wir im hintersten Zipfel des Hafens an, mit Blick auf den herrlichen Badestrand. Liegeplätze gibt es reichlich, denn in Dänemark sind die Ferien bereits zu ende.
  
  
  
Hafenblick
  
Hünengrab mit Fernsicht
  
   Der Bus zu den Klinten fährt nur während der dänischen Ferienzeit und so fahren wir am nächsten Tag mit gemieteten Fahrrädern los. Ostmön ist ganz schön hügelig und auch die Sonne sorgt dafür, dass das Ganze eine schweißtreibende Angelegenheit wird. Aber ein am Wege liegendes Hügelgrab, der Besuch des Schlosses Lieselund und natürlich die Wanderung entlang der Klinten machen die Anstrengungen wirklich lohnenswert.   
  
  
Auf den Klinten
  
Am Fuß der Klinten
  
  
   Von jetzt an geht es wieder in Richtung Heimat, der Wind hat erneut gedreht und kommt wieder für uns günstig aus Osten, zunächst jedoch eher schwach, so dass wir auf unserer Fahrt nach Gedser teilweise wieder motoren müssen.
Von Gedser soll es weiter nach Fehmarn gehen, rund 35 Meilen und deshalb wollen wir am Morgen rechtzeitig los. Daraus wird erstmal nichts, denn wieder liegt dichter Nebel über dem Hafen. Gegen 12 Uhr lichtet sich der Nebel und wir starten. Draußen hat sich der Nebel länger gehalten, gespenstisch erscheinen querlaufende Yachten aus dem Nichts, um sofort wieder zu verschwinden. Aber die Sonne bereitet dem Spuk bald ein Ende. Über Mecklenburg - Vorpommern sollen laut Wetterbericht teilweise heftige Gewitter toben aber mehr als ein fernes Grollen bekommen wir davon nicht mit. Unter Spinnaker laufen wir wie auf Schienen unserem Ziel entgegen. Dabei müssen wir auch den Weg T kreuzen. Er ist schon von Weitem zu erkennen, denn wie auf einer Perlenschnur aufgereiht folgt ein Großschiff dem anderen auf diesem Tiefwasserweg. Bei einem steht die Peilung und wir fahren lieber rechtzeitig ein Ausweichmanöver. Dabei können wir ehrfurchtsvoll die riesige Bugwelle betrachten, die es vor sich her schiebt. Es ist früher Samstag Abend, als wir wieder in Burgtiefe einlaufen und der Rundsteg schon vollständig besetzt. Aber bei unserem Tiefgang ist es kein Problem, am nächsten Steg dicht unter Land noch einen freien Liegeplatz zu finden.
Am Sonntag geht es dann zurück nach Neustadt. Es weht mit Stärke sechs. Bei halbem Wind machen wir unter Fock und einmal gerefftem Groß schnelle Fahrt. Bald baut sich eine Welle von anderthalb Metern auf . Obwohl manche Welle unmittelbar am Boot bricht, kommt kaum ein Spritzer ins Cockpit. Die Sonne scheint, wir sitzen im T-Shirt aber mit Rettungsweste und Lifebelt im Cockpit und genießen unseren letzten Segeltag. Es macht so viel Spaß, dass unser Sohn kaum von der Pinne zu kriegen ist. Noch am Nachmittag legen wir in Neustadt den Mast und lassen unseren Törn mit einem Essen beim Italiener ausklingen.
  
  
  
Heimreise
  
Törnende
  
   Am nächsten Morgen wird in aller Ruhe gefrühstückt, dann gekrant und schon am Nachmittag sind wir wieder zu hause.
Insgesamt waren wir 15 Tage unterwegs, haben 265 Seemeilen zurückgelegt und so viel schöne Eindrücke gewonnen, dass dies sicherlich nicht unser letzter Ostseetörn gewesen ist.